Donnerstag, 26. Dezember 2013

Lack ab




„Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt, mein lieber Freund!“ Frank Flick musste aufpassen, dass ihm der Kragen nicht gänzlich platzte. Aber dieser Knut Bertsen, den sie ihm zum Verhör vorbeigebracht hatten, raubte ihm schier den letzten Nerv.

„Herr Kommissar, …“, begann Bertsen seine Rechtfertigung – wurde aber jäh unterbrochen. „Erstens heißt es Hauptkommissar und zweitens will ich keine Ausflüchte mehr hören, sondern jetzt nur noch die Wahrheit … Dein Rumgeeiere reicht mir jetzt nämlich!“
„Herr Hauptkommissar, ich kann nur wiederholen, dass es mir wirklich Leid tut. Ich weiß aber beim besten Willen nichts von einem Unfall, geschweige denn von einer Fahrerflucht. Ich bin heute Morgen gemütlich die Landstraße langgefahren und da kam ein Auto in einer Kurve relativ weit auf meine Seite, aber ich hab mir nix weiter dabei gedacht, denn als ich in den Rückspiegel blickte, war das Auto weg und ich dachte, es wäre schon um die Kurve.“ „Von wegen ‚um die Kurve‘ … im Graben ist die arme Frau mit ihren beiden Kindern gelandet --- ich rate Dir, bete zu Gott, dass ich gleich gute Neuigkeiten aus der Klinik erhalte und den dreien nichts Schlimmeres passiert ist, sonst …“ Aber Frank Flick war erfahren genug, dass er wusste, dass er sich jetzt wieder besinnen musste … zu viel Emotion kann dann auch nach hinten los gehen: „Herr Bertsen, wir haben am Kotflügel Ihres Fahrzeugs Lackspuren des verunfallten Wagens gefunden. Der Kriminaltechniker, der vor Ort die Spuren gesichert hat, hat in seinem Bericht beschrieben, dass das Auto von einem rechts überholenden Fahrzeug von der Straße abgedrängt wurde. Herr Bertsen, es geht hier also nicht um eine Situation, in der Ihnen ein Fahrzeug entgegengekommen ist, sondern es handelt sich um ein riskantes Überholmanöver, das letztendlich den Unfall verursachte … Was fällt Ihnen denn dazu ein?“...


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Disappear

„VIER – SIEBEN – ZWEI – ZWEI“, sagte der Junge. 4722: Frank Flick schrieb die Zahlen auf seinen kleinen Notizblock, der stets neben seinem Telefon im Dienstzimmer des Hauptkommissariats lag. „Joshua, das hast Du sehr gut gemacht. Kannst Du Dich denn auch noch an ein paar Buchstaben auf dem Kennzeichen erinnern? Du kannst doch sicherlich auch schon lesen, oder? Wie alt bist Du gleich noch mal?“ „Joshua ist vier“, antwortete Joshuas Vater, der selbstverständlich bei der Befragung seines Sohnes anlässlich der Entführung der Nachbarin anwesend war. „Viereinhalb, Papa“, meldete sich Joshua zu Wort. Frank Flick und Joshuas Vater, Frederik Bauer, mussten schmunzeln, obwohl die Situation alles andere als lustig war. Joshua hatte im Vorgarten der Bauers gespielt, als plötzlich ein Auto vor dem Nachbarhaus hielt, eine Wagentür aufgestoßen wurde und zwei Männer heraussprangen. Einer der Männer lief sofort ins Haus, kam kurz danach wieder heraus und schnappte sich zusammen mit dem anderen die völlig verdutzte Nachbarin, die gerade ihre Blumen goss, und sie zerrten sie in den Wagen. Joshua war der einzige Zeuge.

Die Nachbarin, Frau Jessica Rauch, war Übersetzerin und arbeitete in einem kleinen Arbeitszimmer oben in ihrem Haus im ersten Stock. Meist übernahm sie Jobs von Verlagen und übersetzte Kurzgeschichten und Romane aus dem Englischen ins Deutsche. Manchmal nahm sie aber auch Aufträge von Privatpersonen entgegen. Sie hatte dafür eigens eine Homepage eingerichtet, über die sie ein paar zusätzliche Arbeiten akquirierte. Wirklich reich werden konnte man damit nicht, aber es genügte, um sich einen gewissen Lebensstandard zu ermöglichen und auch für das Alter vorzusorgen. Die finanziellen Verhältnisse von Jessica Rauch legten es nicht nahe, dass es sich um eine Entführung mit dem Ziel einer Lösegeldforderung handelte, wobei man dieses Motiv natürlich nicht kategorisch ausschließen durfte. Das wusste selbstverständlich auch Hauptkommissar Frank Flick ...
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Es brennt, es brennt


Wenn man die Gefährlichkeit des Spektakels außer Acht lässt, dann übt Feuer in der Tat eine gewisse Faszination aus. Faszinierend ist auch, dass der Mensch in vielen Fällen in der Lage ist, das Feuer zu beherrschen, in anderen Fällen aber über weite Strecken unfähig ist, den Flammen Einhalt zu gebieten. Im Allgemeinen bedarf es einer Zündquelle, Sauerstoff und eines brennenden Materials, dessen Zündpunkt durch die Temperatur, die die Zündquelle erzeugt, überschritten wird. Kurzum: Ein Streichholz und eine Gardine reichen aus, um letztendlich ein ganzes Haus niederbrennen zu lassen.

Da bei Feuer nicht nur Wärme, sondern auch Licht entsteht, waren die Flammen des brennenden Einfamilienhauses über mehrere Straßenzüge hinweg zu sehen … und das bereits zum vierten Mal in diesem Monat. Der Volksmund hat für einen serienmäßigen Pyromanen schnell den Begriff des „Feuerteufels“ in Gebrauch, bei den polizeilichen Ermittlungen ist hingegen von „Brandstiftung“ als das vorsätzliche oder fahrlässige In-Brand-Setzen eines nicht dazu bestimmten Sachgutes die Rede, und die Justiz unterscheidet im Strafgesetzbuch im Abschnitt „Gemeingefährliche Straftaten“ zwischen Herbeiführen einer Brandgefahr, der fahrlässigen oder schweren sowie besonders schweren Brandstiftung bis hin zur Brandstiftung mit Todesfolge. Die Verübung dieses Tötungsdeliktes wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren geahndet.

Frank Flick und Max Jansen, der eine Polizist, der andere Privatdetektiv und seit Jahren eng befreundet, saßen in Max‘ Wohnung, tranken ein Bier und wurden durch die Sirenen der Feuerwehr darauf aufmerksam gemacht, dass der Brandleger wieder zugeschlagen hatte.



„Das vierte Mal in diesem Monat“, stellte Frank fest. „Die Kollegen von der Kriminaltechnik stehen bei der Brandursachenermittlung schon mächtig unter Druck. Die Bevölkerung ist verängstigt und die Presse äußert auch wenig Verständnis darüber, dass der Täter noch nicht verhaftet wurde.“ ...



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